Unsere Forschungsgruppe

Gesellschaftliche Transformationen verändern, wie wir leben, wirtschaften und unsere Zukunft gestalten. Der Umbau von Energie- und Infrastruktursystemen, der Wandel industrieller Strukturen und die Bewältigung ökologischer Krisen werfen dabei grundlegende Fragen auf: Wie können Veränderungen nachhaltig gestaltet werden? Wie lassen sich unterschiedliche Interessen und Wissensbestände einbeziehen? Und unter welchen Bedingungen entstehen tragfähige und demokratisch legitimierte Lösungen?

Die Forschungsgruppe Partizipation und Transformation untersucht, wie Nachhaltigkeitstransformationen entstehen, welche Dynamiken sie prägen und wie sie gestaltet werden können. Im Zentrum steht das Zusammenspiel von Innovation und Exnovation: Wie entstehen neue Lösungen und Entwicklungspfade, und unter welchen Bedingungen werden bestehende Strukturen verändert oder abgelöst? Wir betrachten Transformationen dabei nicht als lineare Prozesse, sondern als komplexe Entwicklungen, die durch das Zusammenwirken gesellschaftlicher Akteure, institutioneller Rahmenbedingungen und sozio-technischer Systeme geprägt werden.

Im Zentrum unserer Forschung stehen Governance, Partizipation, Legitimation, Gerechtigkeit und Akzeptanzbildung sowie deren Wechselwirkungen mit sozialen, institutionellen, räumlichen, ökonomischen und materiellen Strukturen. Wir untersuchen, wie Transformationsprozesse gesteuert und ausgehandelt werden, wie unterschiedliche Interessen und Wissensformen in Entscheidungen einfließen und welche Rolle Macht- und Verteilungsverhältnisse dabei spielen. Dabei betrachten wir sowohl lokale Akteurskonstellationen als auch übergeordnete institutionelle und systemische Zusammenhänge, um zu verstehen, wie sich Transformationsdynamiken gegenseitig verstärken, begrenzen oder verändern.

Unsere Transformationsdomänen

Unsere Forschung konzentriert sich auf Energie- und Infrastrukturtransformationen sowie regionale und industrielle Veränderungsprozesse. Dazu gehören unter anderem die Energiewende, Geothermie, Infrastrukturentwicklung und Strukturwandel sowie Circular Economy und Bioökonomie.

Diese Transformationsdomänen verstehen wir als unterschiedliche empirische Zugänge zu übergreifenden Fragen nach Governance, Beteiligung, Akzeptanz und Legitimation sowie nach institutionellen und systemischen Veränderungsdynamiken.

Wie werden Transformationsprozesse gesteuert und ausgehandelt? Welche Konflikte entstehen, und wie wirken sich Entscheidungen auf verschiedene gesellschaftliche Gruppen und räumliche Kontexte aus?

Unsere Forschung in Projekten

Mind the Gap

Mind the Gap – Beteiligungslücken im Strukturwandel

Das Projekt „Mind the Gap“ untersucht gemeinsam mit dem Nell-Breuning-Haus Beteiligungslücken im Strukturwandel der Braunkohlereviere und entwickelt Strategien zur Stärkung demokratischer Mitgestaltung. Im Fokus stehen strukturelle Hürden wie ungleiche Ressourcen, die unzureichende Einbindung zivilgesellschaftlicher Akteur:innen sowie fehlende Vernetzungs- und Beteiligungsstrukturen. In Workshops, einem Revier-Dialog und einer Abschlusskonferenz werden gemeinsam Lösungsansätze erarbeitet. Entstehen soll ein Leitfaden für die politische Bildungsarbeit im Strukturwandel.

Laufzeit: 11/2025 – 12/2026

Projektpartner: Bundeszentrale für politische Bildung, Nell-Breuning-Haus

Stromnetzausbau vor Ort

Stromnetzausbau vor Ort: Systemische Analyse von Akzeptanzbildungsprozessen zweier Amprion-Trassenprojekte

Das Forschungsprojekt „Stromnetzausbau vor Ort“ untersucht die Herausforderungen des beschleunigten Netzausbaus in Kommunen, insbesondere im Zusammenspiel mit weiteren Infrastrukturprojekten und begrenzten Flächenressourcen. Im Fokus stehen lokale Konflikte und Akzeptanzbildungsprozesse, die aus der grundsätzlichen Zustimmung zur Energiewende bei gleichzeitiger Ablehnung konkreter Trassenverläufe entstehen können. Mithilfe einer systemischen Perspektive werden zwei Trassenausbauprojekte von Amprion in mehrfachbetroffenen Regionen wissenschaftlich begleitet und System Maps erstellt, die lokale Zusammenhänge und relevante Akzeptanzfaktoren abbilden.

Laufzeit: 02/2023 bis 12/2026
Projektpartner: Amprion

Circular Foam

Ausweitung der zirkulären Symbiose im Fall von PU-Schaumstoffen

Im Projekt Circular Foam werden wirtschaftliche, kulturelle, rechtliche und politische Rahmenbedingungen für die Etablierung einer zirkulären Symbiose für PU-Schaumstoffe in drei europäischen Regionen (NRW, Amsterdam und Katowice) untersucht. Dazu werden analytische Grundlagen erarbeitet, regionale Stakeholder analysiert und ein Modell zur Förderung von Kooperationsbeziehungen entwickelt. Ziel ist die Konzeption optimierter regionaler Systeme für die Sammlung und Wiederverwertung von Abfällen.

Projektpartner: Jülich Forschungszentrum, convestro.
Laufzeit: 10/2021 bis 09/2025

Duisport Stakeholdermanagement

Smart Port Community – Zukunftschancen durch Stakeholdermanagement am Duisburger Hafen

Das Projekt zielte darauf ab, ein professionelles, responsives und digital unterstütztes Stakeholdermanagement bei duisport zu etablieren, um langfristige Netzwerkbeziehungen zu stärken und die Nachhaltigkeit sowie Innovationsfähigkeit des Unternehmens zu fördern. Dazu werden zentrale Stakeholdergruppen und relevante Umfeld-Diskurse analysiert sowie ein strukturiertes Managementsystem in die operativen und strategischen Unternehmensbereiche integriert. Eine Benchmarking-Studie zu Stakeholdermanagement-Ansätzen anderer europäischer Häfen dient dazu, Best Practices für duisport abzuleiten und Synergien mit der Unternehmenskommunikation zu fördern.

Projektpartner: duisport, Universität Duisburg-Essen, Hoschule Rhein-Waal
Laufzeit: 08/2023 bis 08/2024

Dialogbrücken vor Ort

Dialogbrücken: Die Rolle von Kommunen zwischen nationaler Planung und lokalem Protest

Das Projekt Dialogbrücken untersucht die oft widersprüchlichen Rollen von Kommunen beim Ausbau von Stromnetzen sowie die Akteure, Interaktionsdynamiken und Diskurse, die lokale Konflikte prägen. Anhand von zwei Fallstudien werden die Aufgaben und Rollen von Kommunen in der Öffentlichkeitsbeteiligung wissenschaftlich aufgearbeitet und fördernde sowie hemmende Faktoren für ihr Handeln identifiziert. Ziel ist es, Lösungskonzepte zu entwickeln, die Städte, Gemeinden und Landkreise als zentrale Akteure im Netzausbau stärken.

Laufzeit: 07/2020 bis 06/2022
Projektpartner: Deutsches Institut für Urbanistik (DIFU), zweite Natur

BewegDeinQuartier

Beweg dein Quartier: Co-kreative Entwicklung von Stadträumen

Das Verbundvorhaben „Beweg Dein Quartier“ entwickelt und erprobt kreative, dialogorientierte Beteiligungsformate, um neue Wege zur CO₂-Reduktion zu erschließen und die urbane Lebensqualität zu verbessern. In Bestandsquartieren in Essen und Offenbach werden innovative Beteiligungsprozesse mit Bürger*innen und weiteren Stakeholdern entwickelt und evaluiert. Die gewonnenen Erkenntnisse werden aufbereitet und für den Transfer auf andere Städte und Gemeinden bereitgestellt.

Laufzeit: 09/2019 bis 08/2022
Projektpartner: urbanista

Bioökonomie Revier

BioökonomieRevier: Partizipative Governance zur Entwicklung einer Modellregion im Rheinland

Das Projekt BioökonomieRevier entwickelt einen partizipativen Koordinierungs- und Handlungsrahmen für das Stakeholdermanagement im Rheinischen Braunkohlerevier, um die Potenziale einer nachhaltigen Bioökonomie zu erschließen. Ziel ist es, unterschiedliche Akteur:innen in politische Beratungs- und Entscheidungsprozesse zu Bioökonomie und Flächennutzung einzubinden. Dazu wird eine partizipative Governance-Struktur mit Lenkungsgruppe, zwei Bürger:innenräten, einer Citizen Assembly und einer Online-Plattform entwickelt, erprobt und evaluiert.

Laufzeit: 09/2019 bis 12/2021
Projektpartner: Jülich Forschungszentrum

HiPerIn2.0.

HiPerIn 2.0: Erforschung der (Nicht-) Akzeptanz hochwertiger bio-basierter Inhaltsstoffe

Die Projekt untersucht die Einstellungen und Nachhaltigkeitsanforderungen von Verbraucher:innen gegenüber hochwertigen biobasierten Inhaltsstoffen in den Marktsegmenten Lebensmittel und Verpackungen. Auf Basis einer systematischen Analyse wissenschaftlicher Literatur und von Online-Delphi-Befragungen mit Expert:innen werden zentrale Erkenntnisse zu Kreislaufwirtschaft, Regulatorik und Digitalisierung erarbeitet. Ziel ist es, verständliche Kommunikationsansätze und Produktinformationen zu entwickeln sowie Handlungsempfehlungen für die Produktion und Markteinführung biobasierter Produkte abzuleiten. Die Studie leistet damit einen Beitrag zur gesellschaftlichen Akzeptanz und zur nachhaltigen Transformation der Bioökonomie.

Laufzeit: 04/2020 bis 09/2021

Projektpartner: networking biotechnology creating sustainability (CLIB)

BioDisKo

BioDisKo – Bioökonomische Nutzungspfade – Diskurs und Kommunikation

Das Projekt fördert durch frühzeitige, partizipative und kommunikative Ansätze eine nachhaltige Bioökonomie im Zukunftsfeld der biobasierten Kreislaufwirtschaft. Am Beispiel der Nutzungspfade Mais und Sida werden gesellschaftliche Diskurse angestoßen sowie Chancen, Risiken und Perspektiven verschiedener Akteur:innen entlang der Wertschöpfungskette untersucht. Zum Einsatz kommen partizipative Technikfolgenabschätzung mit Bürger:innen (Bürgerrat), ein dialogischer Beteiligungsprozess (Zukunftsrat) mit Bürgergutachten, Verbraucherbefragungen, Medienanalysen, Kommunikationsbausteine und Stakeholder-Interaktionsanalysen.

Laufzeit: 01/2018 bis 06/2021
Projektpartner: Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung (IZT), Frauenhofer Umsicht, Jülich Forschungszentrum

Unser Forschungsansatz

  • Wie wir forschen

    Transformationen entstehen aus dem Zusammenspiel gesellschaftlicher Akteure, Institutionen, Technologien, Infrastrukturen und ökonomischer Bedingungen. Systemische Ansätze helfen uns, Wechselwirkungen, Rückkopplungen und Entwicklungspfade zu analysieren. So können wir nachvollziehen, wie sich Dynamiken gegenseitig verstärken, verändern oder begrenzen.

    Dabei verbinden wir sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze mit systemischen Perspektiven und Modellierung. Unser Ziel ist es, komplexe Zusammenhänge empirisch fundiert zu untersuchen und Ansatzpunkte für die Gestaltung von Transformationen sichtbar zu machen.

  • Methoden verbinden

    Wir verbinden qualitative und quantitative Sozialforschung mit partizipativen und systemischen Methoden. Unser Methodenspektrum reicht von Interviews und Befragungen über kollaborative Forschungsformate wie Reallabore und Realexperimente sowie Szenarioverfahren bis zu System Mapping, Causal Loop Diagrams, Fuzzy Cognitive Mapping und Modellierung.

    Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Verbindung dieser Zugänge in Mixed-Methods-Designs. Qualitative, quantitative und partizipativ erzeugte Erkenntnisse können beispielsweise in System Maps und Wirkungsmodelle überführt und für weiterführende Analysen und Modellierungen genutzt werden.

  • Wissen gemeinsam produzieren

    Transformationsprozesse betreffen unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen und erfordern den Austausch zwischen verschiedenen Wissensbeständen. Deshalb arbeiten wir inter- und transdisziplinär mit Partner aus Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen.

    Wir entwickeln und untersuchen Beteiligungs-, Dialog- und Co-Creation-Prozesse. Dabei fragen wir, wie unterschiedliche Perspektiven in die Entwicklung von Strategien, in Entscheidungsprozesse und in institutionelle Strukturen einfließen können.

Contact

Wir freuen uns über den Austausch mit unterschiedlichen Akteuren aus Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft. Gerne kommen wir mit Ihnen ins Gespräch, entwickeln neue Ideen und schaffen Räume für Dialog, Zusammenarbeit und gemeinsame Perspektiven.